Belgien

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Politische Beziehungen

Belgien gehörte zu den ersten Ländern, die in den Nachkriegsjahren die Zusammenarbeit mit der neuen deutschen Demokratie suchten. Historisch überkommene bilaterale Probleme wurden bereits 1956 weitgehend durch den Deutsch-Belgischen Grenz- und Entschädigungsvertrag gelöst. Die nachfolgende enge Zusammenarbeit in der NATO und das spannungsfreie Nachbarschaftsverhältnis haben in der Folge zur Entwicklung sehr guter und vertrauensvoller politischer Beziehungen beigetragen. In außen- und wirtschaftspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Seiten sowie im EU-Rahmen eine sehr enge Abstimmung. Vor allem verbindet Belgien und Deutschland das jahrzehntelange gemeinsame Engagement beim Aufbau der Europäischen Union, über deren Zukunft beide Länder in hohem Maße identische Vorstellungen entwickelt haben. Aufgrund der Stationierungspolitik im NATO-Rahmen sind in der Nachkriegszeit zudem Generationen belgischer Soldaten in Garnisonen in Deutschland ausgebildet worden, was zu vertieftem Verständnis und auch gegenseitiger Freundschaft beitrug. Diese enge Symbiose hat mit dem 2002 eingeleiteten und bis April 2004 beendeten Abzug der letzten belgischen Truppen aus Deutschland einen gewissen Abschluss gefunden. Das entstandene gute Verhältnis zu Deutschland ist vor allem vor dem Hintergrund der tiefgreifenden und schmerzhaften Ereignisse in Belgien während des I. und II. Weltkriegs bemerkenswert.In zahlreichen Veranstaltungen in Belgien wird der vielen Opfer der gemeinsamen Vergangenheit – durch Krieg, Besatzung und Judenverfolgung - gedacht. Das geschieht heute aber in einem Geist der Aussöhnung, der Freundschaft und im Bewusstsein einer gemeinsam zu gestaltenden europäischen Zukunft. Am belgischen Nationalfeiertag, dem 29.07.2004, nahm erstmals ein deutsches Truppenkontingent eigenständig (und nicht als Teil der ISAF) an der Militärparade vor dem Königsschloss in Brüssel gemeinsam mit Einheiten der Alliierten und Belgiens teil. Die belgische Öffentlichkeit erkennt zudem besonders an, dass sich Deutschland seiner Verantwortung auch für die leidvollen Geschehnisse in Belgien gestellt hat und um eine substanzielle Aufarbeitung seiner Vergangenheit bemüht ist. Ein Novum bildete die Teilnahme Bundeskanzler Schröders am 18.05.2004 in Brüssel (als erster Regierungschef eines Landes) an der Sonder-Kabinettssitzung der belgischen Regierung. Viele Entwicklungen und Probleme in beiden Ländern sind heutzutage gleichgelagert (u.a. in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik), so dass die Politik der Bundesregierung wegen der Ähnlichkeit der konkreten Herausforderungen in beiden föderal strukturierten Ländern in Belgien mit Aufmerksamkeit verfolgt wird. Aufgrund der hohen Übereinstimmungen kam es auch bereits zu erwähnenswerten Formen der Zusammenarbeit, insbesondere im militärpolitischen Bereich. So haben zwei deutsche Offiziere bei der Ausbildung der Armee der Demokratischen Republik Kongo gemeinsam mit belgischen Instrukteuren teilgenommen, und in Afghanistan wird ein belgisches Kontingent die deutschen Truppen in Kundus verstärken.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner Belgiens. Bei Import und Export liegt es dabei für Belgien zur Zeit jeweils auf Platz 1. Aus deutscher Sicht ist Belgien als Kunde an 7. und als Lieferant an 6. Stelle. Von beiden Seiten wurden ab den 50er Jahren in erheblichem Maße Direktinvestitionen getätigt, die zu einer besonders engen wirtschaftlichen Verflechtung beitrugen. Deutsche Investitionsschwerpunkte sind Chemie und Kfz-Bau in Antwerpen bzw. Brüssel. Antwerpen ist für Deutschland auch ein wichtiger Import- und Exporthafen. Die deutsche Wirtschaft ist heute zudem mit einer großen Zahl von Firmenniederlassungen in Belgien vertreten. Daneben unterhalten zahlreiche deutsche Firmen und Verbände in Brüssel Repräsentanzen zur Interessenvertretung bei der EU.

Kulturelle Beziehungen

Grundlage ist das deutsch-belgische Kulturabkommen vom 24.09.1956. Schwerpunkte unserer Auswärtigen Kulturpolitik liegen in der Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen. Die Arbeit des Goethe-Instituts Brüssel wird allgemein geschätzt. Diese Kulturbeziehungen betten sich ein in einen intensiven und vielfältigen Austausch, der eines offiziellen Rahmens kaum noch bedarf und auch ohne staatliche Unterstützung funktioniert. Einen wichtigen Beitrag leisten auch die Deutschen Schulen in Brüssel (die DSB führt bis zum Abitur) und Antwerpen (die DSA hat 6 Klassen). Beiden ist ein Kindergarten vorgeschaltet. Beide Einrichtungen sind auch anerkannte Auslandsschulen. Seit 1999 wird an der DSB - beginnend mit Jahrgangsstufe 8 - schrittweise das zwölfjährige Schulsystem eingeführt. Deutsche Abteilungen gibt es daneben in Brüssel an drei Europaschulen, an der Europäischen Schule in Mol und an der SHAPE International School in Mons. Deutsch ist wegen der ca. 70.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes im übrigen dritte Landessprache. In belgischen Schulen wird Deutsch in der Regel als dritte Fremdsprache angeboten.

Quelle - auswärtiges Amt