Bosnien Herzegovina

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Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen haben sich seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen Mitte 1994 stetig entwickelt. Deutschland war an den Friedensbemühungen vor und nach Abschluss des Dayton-Abkommens intensiv beteiligt, u.a. durch sein Engagement in der Kontaktgruppe, im Lenkungsausschuss des Peace Implementation Councils, bei Geberkonferenzen sowie durch große deutsche Kontingente innerhalb der SFOR (derzeit ca. 1.300 Mann) und in der Europäischen Polizei-Mission der EU (EUPM) (derzeit ca. 90 Polizisten). Deutschland stellt einen der drei Stellvertreter des Hohen Repräsentanten, Lord Ashdown, in Sarajewo, dem die Überwachung der Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton obliegt.

Bosnien und Herzegowina sieht in Deutschland einen der wichtigsten Fürsprecher in Europa.

Wirtschaftsbeziehungen

Die Wirtschaft von Bosnien und Herzegowina erlitt von 1992 bis 1995 kriegsbedingt massive Rückschläge. Gemessen an den Handelsströmen war Deutschland vor dem Krieg der bedeutendste Wirtschaftspartner der damaligen Sozialistischen Republik Bosnien und Herzegowina. Eine starke Rolle spielten Gemeinschaftsunternehmen und Kooperationsbeziehungen. Das bilaterale Außenhandelsvolumen betrug 1990 2,017 Mrd. DM.

Im Zuge der seit 1997 greifenden Belebung der Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina haben auch die bilateralen Handelsbeziehungen an Umfang gewonnen, ohne jedoch bislang das Vorkriegsniveau zu erreichen. In 2002 betrug der Wert des Warenaustauschs zwischen Bosnien und Herzegowina und Deutschland 566,4 Mio. Euro. Deutschland ist viertwichtigster Handelspartner Bosniens und Herzegowinas, umgekehrt belegt Bosnien und Herzegowina Rang 81 auf der Liste der deutschen Außenhandelspartner.

Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im ehemaligen Jugoslawien betrugen 1991 ca. 415 Mio. DM; 13 damals gewährte Anträge mit einem Volumen von 135 Mio. DM entfielen auf Bosnien und Herzegowina. Mehr als 30 langfristige Wirtschaftskooperationen in der Autoindustrie, Motorenherstellung, Papierindustrie, Zellstoffproduktion, Werkzeugmaschinenfertigung und über Lohnveredelung bei Textilien und Bekleidung wurden durch den Krieg unterbrochen. Nur in wenigen Fällen konnte die Kooperation wieder aufgenommen werden (v.a. im Textilbereich); im Bereich Autozulieferung ist die Wiederaufnahme der Produktion im Volkswagen-Werk in Vogosca/b. Sarajewo im August 1998 hervorzuheben.

Im Oktober 2001 wurde ein bilateraler Investitionsförderungs- und -schutzvertrag unterzeichnet, um die rechtlichen Ausgangsbedingungen für deutsche Investoren weiter zu verbessern.

Ausfuhrgewährleistungen des Bundes für BiH werden derzeit im Rahmen von Hermes-Deckungen für Einzelgeschäfte mit Kreditlaufzeiten bis zu 360 Tagen gegeben. Dabei ist Bosnien und Herzegowina in die OECD Länderkategorie 7 (von 7) eingestuft.

Kulturelle Beziehungen

Rahmenbedingungen
Die kulturellen Beziehungen sind vergleichsweise eng aufgrund der geographischen und historischen Nähe. Die Erfahrungen, die Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und die ca. 300.000 zurückgekehrte Bürgerkriegsflüchtling in Deutschland gemacht haben, stellen dabei einen wichtigen Anknüpfungspunkt dar. Sie haben zur Festigung des positiven Deutschlandbildes beigetragen. Das Interesse an deutscher Sprache und Kultur ist demzufolge groß.

Wissenschaft und Hochschulen
Es gibt insgesamt drei DAAD-Lektoren in Sarajewo, Banja Luka und in Mostar. Hinzu kommen mehrere Gastdozenten aus Deutschland.

Der Hochschulrektorenkonferenz sind derzeit 13 Partnerschaften deutscher Hochschulen mit Einrichtungen in Bosnien und Herzegowina bekannt.

Im Rahmen des Sonderprogramms "Akademischer Neuaufbau Südosteuropa" (Stabilitätspakt) werden auch in Bosnien und Herzegowina Projekte gefördert, die eine rasche Verbesserung der Ausbildungsqualität an den Hochschulen zum Ziel haben.

Goethe Institut
Das Goethe-Institut Inter Nationes in Sarajewo befindet sich noch in der Aufbauphase. Sein Ausbau zu einem Vollinstitut wird zur Zeit betrieben. Mit der Existenz des Gründungsbüros hat die Präsentation deutscher Kultur in Bosnien und Herzegowina an Bedeutung gewonnen. Das Gründungsbüro hat mit dem Aufbau von Sprachprogrammen begonnen. Der bereits vor der Eröffnung des Gründungsbüros in Sarajewo bestehende deutsche Lesesaal wird vor allem von Studenten und Dozenten frequentiert. Auch der deutsche Lesesaal in Banja Luka wird intensiv genutzt.

Kulturelle Veranstaltungen
Goethe-Institut Inter Nationes, das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), der Deutsche Musikrat und die Deutsche Botschaft Sarajewo fördern pro Jahr drei bis vier Veranstaltungen aus den Bereichen Musik und Theater. Außerdem sind zahlreiche deutsche Künstler durch Vermittlung von Goethe-Institut Inter Nationes auf den diversen Festivals in Bosnien und Herzegowina vertreten.

Deutsche Schulen und deutsche Sprache
Im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms sind ein Fachberater und drei Programmlehrkräfte der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Sarajewo, Banja Luka sowie in Mostar tätig. Der Fachberater nimmt in den drei Zentren Sarajewo, Mostar und Banja Luka eine Schlüsselrolle beim Erhalt und der Förderung von Deutsch als Pflichtfremdsprache im Schulwesen ein. In Sarajewo existiert ein anerkanntes Prüfungszentrum für das Deutsche Sprachdiplom. Die Einrichtung von Prüfungszentren in Banja Luka und in Mostar ist für Februar 2004 vorgesehen.

Die Zentralstelle engagiert sich außerdem mit dem Ziel einer quantitativen und qualitativen Ausdehnung des Deutschunterrichts an den Schulen sowie bei der Vermittlung von Schulpartnerschaften.

Der Pädagogische Austauschdienst vergibt Stipendien zur Fortbildung in Deutschland.

Politische Stiftungen
Die Konrad-Adenauer-, Friedrich-Ebert-, Heinrich-Böll- und Friedrich-Naumann-Stiftung unterhalten in Sarajewo eigene Büros. Ihrem allgemeinen Auftrag entsprechend betätigen sich die politischen Stiftungen auch im Bereich der politischen Erwachsenenbildung.

Quelle - auswärtiges Amt