Estland

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Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland hat am 28.08.1991, acht Tage nach Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit, die diplomatischen Beziehungen zu Estland wieder aufgenommen. Die bilateralen Beziehungen haben sich seither sehr positiv entwickelt. Der politische Dialog ist vertrauensvoll und intensiv. Ein Netzwerk von Kontakten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie durch private Initiativen gibt den Beziehungen eine breite gesellschaftliche Basis.

Höhepunkte in den bilateralen Beziehungen waren die Besuche von Bundespräsident Roman Herzog am 15./16. Mai 1998 und von Bundeskanzler Schröder in Estland am 5./6. Juni 2000 sowie der Staatsbesuch des estnischen Präsidenten Meri in Deutschland vom 7.–10. November 2000 und der Besuch des estnischen Staatspräsidenten Arnold Rüütel im Juni 2003 in Deutschland. Ministerpräsident Juhan Parts war im November zu einem offiziellen Besuch in Deutschland, Bundeskanzler Gerhard Schröder will am 5. Ostseegipfel am 21. Juni in Estland teilnehmen.

Die Bundesländer (vor allem Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die in Tallinn Länderbüros unterhalten, sowie Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) sowie Partnerstädte und -kreise Estlands in Deutschland leisten einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung der deutsch-estnischen Beziehungen. Die intensiven sozialen Kontakte wurden durch die Vereinbarung der Visumsfreiheit im März 1999 erheblich erleichtert.

Wirtschaftsbeziehungen

Der estnische wirtschaftliche und politisch-gesellschaftliche Reformprozess wurde bis 1999 durch das TRANSFORM-Programm (1994-1999: insg. 15,8 Mio. EUR) unterstützt. Auf estnischen Wunsch nimmt Deutschland eine herausgehobene Rolle bei dem aus dem 1989 ins Leben gerufenen PHARE-Program der Europäischen Union für die mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer finanzierten Twinning-Programm (das eine "Projektpartnerschaft zwischen jeweils einem Altmitglied der EU und einem Beitrittsland vorsieht) in beitrittsrelevanten Schlüsselbereichen (v. a. Justiz und Inneres) wahr. Die von Deutschland geleistete Privatisierungsberatung nachdem Modell der Treuhandanstalt trug zur raschen Privatisierung der estnischen Wirtschaft bei.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte der deutsch-estnische Außenhandel 2003 ein Volumen von 1,2 Mrd. EUR (+ 20,2% gegenüber 2002). Wie bereits in den Vorjahren ergab sich ein deutscher Handelsbilanzüberschuss: Den Importen aus Deutschland im Wert von 712 Mio. EUR (Veränderung zum Vorjahr 14,6%) standen estnische Exporte nach Deutschland im Wert von 494 Mio. EUR (Veränderung zum Vorjahr 29,2%) gegenüber.

Der deutsche Export nach Estland besteht im wesentlichen aus Transportmitteln, insbesondere Kfz, Maschinen und Anlagen, chemischen Produkten und Lebensmitteln, während aus Estland überwiegend Holz und Holzprodukte, Textilwaren sowie Metall importiert wurden.

Kulturelle Beziehungen

Die Grundlage der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Estland bildet das Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit vom 29. April 1993.

Das Goethe-Institut in Tallinn wurde 1998 eröffnet. Dieses Institut ist mit dem 1991 als gemeinnütziger Verein gegründeten Deutschen Kulturinstitut Tallinn in eine arbeitsteilige Kooperation getreten. Beide Institutionen treten nach außen mit dem Namen Deutsches Kulturinstitut/Goethe-Institut Tallinn (DKI/GI Tallinn) auf. Ein weiteres deutsches Kulturinstitut besteht in Tartu. Daneben sind zahlreiche deutsche Kulturinstitutionen wie der DAAD, die Alexander von Humboldt-Stiftung, Informationsbüros der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sowie die Robert-Bosch-Stiftung aktiv in Estland präsent.

Deutsch ist gemessen an der Zahl der Lernenden nach dem Englischen und Russischen eine der beliebtesten Fremdsprachen in Estland, noch weit vor dem Französischen. In Estland gibt es seit dem Schuljahr 1997/98 ein estnisches Gymnasium mit deutschsprachiger Abteilung in Tallinn. Dort erwerben estnische Schüler im Sommer 2004 zum dritten Mal sowohl das deutsche als auch das estnische Abitur. Das hierzu erforderliche deutsch-estnische Schulabkommen wurde im Juni 2002 feierlich in Tallinn unterzeichnet.

Quelle - auswärtiges Amt