

Norwegen
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Politische Beziehungen
Die deutsche Besatzungszeit war eine tiefe Zäsur in den traditionell sehr engen Beziehungen Norwegens zu Deutschland, die sich trotz guter sicherheitspolitischer Zusammenarbeit und zunehmender wirtschaftlicher Verzahnung noch lange in erheblichen psychologischen Vorbehalten gegen Deutschland manifestierte. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre um 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland aber wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa. Während bis ins beginnende 20. Jahrhundert die kulturellen Beziehungen im Vordergrund der Beziehungen standen, so waren dies nun die komplementären wirtschaftlichen Interessen. Politisch und kulturell überwog die Orientierung auf den angelsächsischen Raum.
Seit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung zeichnete sich auch im politischen und kulturellen Bereich eine stärkere Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland ab. Mit einer 1999 verabschiedeten "Deutschland-Strategie" will die norwegische Regierung zur "Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland" beitragen und insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder ausbauen.
Norwegen verbindet damit hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU und richtet sich darauf ein, dass Berlin wieder zu einer Drehscheibe für den Austausch Skandinaviens mit Kontinentaleuropa wird.
Wirtschaftliche Beziehungen
Deutschland ist vom Gesamthandelsvolumen her seit mehreren Jahren der wichtigste Handelspartner Norwegens, bei insgesamt zurückgehenden Ex- und Importen Norwegens. Insbesondere die Gas – und Ölexporte tragen dazu bei, dass Deutschland weiterhin wichtigster Exportpartner Norwegens und nach Schweden zweitwichtigster Importpartner ist. Die Handelsbilanz ist als Folge der hohen deutschen Energieeinfuhren seit Jahren durch einen deutschen Passivsaldo gekennzeichnet.
Wichtigste Exportprodukte Norwegens nach Deutschland sind Erdöl und Erdgas; Fisch und Fischprodukte sowie Aluminium (v.a. Autoteile) machen zusammen unter 20% aus. Der Import von norwegischen Energieträgern wird sich in der Zukunft weiter erhöhen. Schon heute deckt Deutschland seinen Bedarf an Öl und Gas zu ca. 20% bzw. 25% aus norwegischer Produktion. Infolge abgeschlossener Lieferverträge wird Norwegen voraussichtlich bis 2010 über 30% des deutschen Gasbedarfs decken und damit Russland als größten Lieferanten ablösen. Deutschland wird dann ca. 50% der norwegischen Gasproduktion abnehmen.
Die wichtigsten deutschen Exporte nach Norwegen sind traditionell Kraftfahrzeuge, Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und chemische Produkte.
Wichtiges Element der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ist ferner der Tourismus. Vor allem die Zahl der deutschen Touristen in Norwegen ist trotz eines leichten Absinkens weiterhin hoch. Für 2002 wurden knapp 446.000 Hotel-Übernachtungen von Norwegern in Deutschland registriert. Dem stehen 1.698.000 Übernachtungen (einschließlich Camping) von Deutschen in Norwegen gegenüber.
In Norwegen sind einzelne deutsche Unternehmen teilweise sehr erfolgreich präsent (v. a. einige große Konzerne sowie mehrere größere Mittelständler). In der Öl- und Gasförderung auf dem Festlandssockel spielen deutsche Unternehmen jedoch keine wichtige Rolle: Die RWE/DEA als einzige deutsche Förderfirma ist nur zu unter 1% an der norwegischen Gesamtförderung beteiligt. Deutsche Investitionen machen ca. 2% der ausländischen Investitionen in Norwegen aus, norwegische Investitionen in Deutschland haben eine Größenordnung von ca. 1% der Gesamtinvestitionen Norwegens im Ausland.
Kulturelle Beziehungen
Die Beziehungen der Nachkriegszeit waren vom erfolgreichen Versöhnungswerk geprägt, erreichten aber nicht mehr die frühere kulturelle Dichte.
Durch die "Deutschland-Strategie" der norwegischen Regierung mit ihren Schwerpunkten im Bereich der deutschen Sprache und Deutschlandkompetenz ist die Bildungszusammenarbeit in den letzten Jahren stärker in den Blickpunkt gerückt. Im Juni 2003 haben Vertreter der beiden Staaten ein Abkommen über den Berufsbildungsaustausch unterzeichnet, auch die "Deutsche Schule – Max Tau" erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Derzeit steht wachsenden Zahlen deutscher Studenten in Norwegen eine sinkende Anzahl norwegischer Studenten in Deutschland gegenüber. Auch die Zahl der norwegischen Schüler, die Deutsch lernen, hat weiter abgenommen. Eine Trendwende könnte eine Initiative der norwegischen Regierung bringen, mit der sie den Fremdsprachenunterricht an den Schulen stärken will.
2005 feiert Norwegen den hundertsten Jahrestag seiner staatlichen Unabhängigkeit – und Deutschland feiert mit! Das Goethe Institut und das Edvard-Munch Haus Warnemünde bereiten mit den Bundesländern und norwegischen Partnern ein attraktives Kulturprogramm vor.
Der Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen soll auch die 2000 gegründete deutsch-norwegische Willy-Brandt-Stiftung dienen. Die Stiftung verleiht jährlich den Willy-Brandt-Preis für Verdienste um die bilateralen Beziehungen, Preisträger 2003 waren der norwegische Journalist Nils Morten Udgaard und der deutsche, in Oslo lehrende Geschichtsprofessor Einhart Lorenz.
Quelle - auswärtiges Amt
Städte: Bergen, Kristiansand, Oslo, Trondheim.