Türkei

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Politische Beziehungen

Unter deutscher EU-Präsidentschaft wurden auf dem Kölner Gipfel im Juni 1999 die Weichen für den Kandidatenstatus der Türkei gestellt. Beim Europäischen Rat von Helsinki (08.12.1999) wurde er förmlich festgeschrieben, in Kopenhagen im Dezember 2002 weiter konkretisiert. Bundesaußenminister Joschka Fischer (21./22.01.2004) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (22. – 24.02.2004) haben bei ihren Besuchen in der Türkei die Unterstützung der Bundesregierung für den Wunsch der türkischen Regierung nach Erteilung eines Datums für den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen bekräftigt. Voraussetzung ist ein positives Votum der EU-Kommission am 6. Oktober 2004. Das Jahr 2004 ist geprägt drch einen ausserordentlich intensiven deutsch-türkischen Besucheraustausch auf politisch-parlamentarischer Ebene.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen haben seit der Zollunion EU - Türkei (in Kraft seit dem 01.01.1996) einen neuen institutionellen Rahmen. Deutschland ist seit langem wichtigster Handelspartner der Türkei. Das bilaterale Handelsvolumen überstieg 2003 erstmals die Rekordmarke von 16 Mrd. EUR. Die türkischen Exporte nach Deutschland hatten im ersten Halbjahr 2004 ein Volumen von rund 3,7 Mrd. EUR (2003 über 7,2 Mrd. EUR), die deutschen Exporte in die Türkei erreichten im gleichen Zeitraum einen Wert von fast 6 Mrd. EUR (2003 über 8,8 Mrd. EUR). Der Anteil der türkischen Exporte nach Deutschland an den türkischen Gesamtexporten blieb mit ca. 16% etwa konstant - ebenso der Anteil der türkischen Importe aus Deutschland an den türkischen Gesamtimporten mit über 13%. Für 2004 zeichnet sich erneut ein kräftiges Handelswachstum ab.

Deutschland stellt auch die größte Zahl der in der Türkei investierenden Firmen aus dem Ausland. Seit 1980 wurden deutsche Investitionen in Höhe von über 4,5Mrd. USD getätigt. Die Zahl deutscher Tochterfirmen in der Türkei und deutsch-türkischer Joint-Ventures ist in den vergangenen Jahren auf über 1.200 gestiegen. Im Türkei-Tourismus ist Deutschland das wichtigste Herkunftsland.

Seit 1985 ist die deutsche Wirtschaft in der Türkei durch ein Delegiertenbüro des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vertreten. 2004 feierte die Deutsch-Türkische Außenhandelskammer mit Sitz in istanbul ihr 10-jähriges Bestehen. Im April 2004 eröffneten Bundeskanzler Schröder und Ministerpräsident Erdogan gemeinsam eine Türkisch-Deutsche Handelskammer in Köln. Regelmäßige bilaterale Konsultationen erfolgen in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie im Rahmen des 1994 wieder belebten bilateralen Kooperationsrates (DTKR) – zuletzt im März 2004 - mit den Arbeitsgruppen Industrie und Investitionen, Handel und Fremdenverkehr. Deutschland und die Türkei haben ein Investitionsschutzabkommen (1962) und ein Doppelbesteuerungsabkommen (1985) abgeschlossen. Im Juli 2001 trat das türkische Gesetz zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit in Kraft.

Kulturaustausch

Die bilateralen kultur- und bildungspolitischen Beziehungen sind traditionell eng und dicht, trotz der deutlichen Orientierung des türkischen Bildungssystems an angelsächsischen Vorbildern.

Mehr als 80 namhafte deutsche Wissenschaftler und Künstler fanden in den 1930er und 1940er Jahren in der Türkei Zuflucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Sie wirkten an türkischen Universitäten und halfen bei deren Aufbau. Dazu zählten u.a. der Berliner Opernintendant Carl Ebert und der Komponist Paul Hindemith, Juristen wie Andreas Schwarz und Ernst Hirsch, Philosophen und Orientalisten wie Ernst von Aster und Hellmut Ritter, Naturwissenschaftler und Mediziner wie Friedrich Dessauer und Rudolf Nissen, Nationalökonomen wie Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke. Hieraus haben sich noch heute bestehende enge Beziehungen zwischen verschiedenen Universitäten in beiden Ländern entwickelt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt diverse Stipendien. Professoren und Studenten lehren bzw. studieren im jeweils anderen Land. Aber nicht nur Gelehrte und Künstler fanden Zuflucht in der Türkei: Der spätere Berliner Regierende Bürgermeister Ernst Reuter wirkte als Experte für Verwaltungs- und Verkehrsfragen in Ankara und Istanbul.

Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Ankara, Istanbul und Izmir bieten gut besuchte Sprachkurse und kulturelle Programme an. Der Deutschunterricht an türkischen Universitäten und öffentlichen Schulen wird von den Kulturinstituten über deren pädagogische Verbindungsstellen, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen Köln sowie durch die deutsche Botschaft und die Generalkonsulate gefördert. Das Orient-Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Istanbul führt u.a. Forschungen zur osmanischen Geschichte und zur türkischen Sprach- und Literaturwissenschaft durch.

Archäologische Projekte

Verschiedene deutsche Kultur-Organisationen sind in der Türkei tätig: Das Deutsche Archäologische Institut gräbt seit über 100 Jahren an verschiedenen Orten in der Türkei (u.a. an den Fundorten von Troja, Milet und Pergamon) und unterhält seit 1928 eine Zweigstelle in Istanbul. Troja ist seit den Forschungen Heinrich Schliemanns eine der in Deutschland bekanntesten Grabungsstätten. Die Deutsche Forschungsgesellschaft unterstützt archäologische Forschungsprojekte.

Quelle - auswärtiges Amt

 

 

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