

Ungarn
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Deutschland und Ungarn sind enge Partner in Europa und in der NATO. Die bilateralen Beziehungen sind intensiv und vertrauensvoll. Vertragliche Grundlage hierfür ist der am 6. Februar 1992 unterzeichnete Nachbarschaftsvertrag.
Bundespräsident Rau stattete Ungarn vom 20. bis 22. April 2004 einen Staatsbesuch ab. Bundeskanzler Schröder war zuletzt im November 2003 in Budapest. Konsultationen der beiden Außenminister fanden in Budapest anlässlich eines Besuchs von Bundesaußenminister Fischer Anfang Februar 2004 statt.
Die in Ungarn tätigen deutschen politischen Stiftungen wirken bei der Ausgestaltung von Demokratie und Bürgergesellschaft mit. Die Leistungen der Bundesregierung werden durch vielfältige Kooperationsvorhaben der Länder und Gemeinden sowie privater deutscher Träger ergänzt.
Deutschland ist seit Jahren wichtigster Wirtschaftspartner Ungarns. Seit 1999 ist Ungarn eines der wenigen Länder, die einen Überschuss in der Handelsbilanz mit Deutschland haben. Dies beruht hauptsächlich auf der dynamischen Entwicklung deutscher Tochterunternehmen in Ungarn. Im Jahr 2003 stammten 24,49% der ungarischen Importe aus Deutschland, 33,94% der ungarischen Exporte gingen nach Deutschland.
Ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in Ungarn seit der Wende stammen aus Deutschland (etwa 10 Mrd. EUR von insgesamt 31 Mrd. EUR). Deutsche Unternehmen haben sich seit der Wende vor allem beim Automobil- und Maschinenbau engagiert (die ungarische Vorzeigefabrik ist das Audi-Werk im westungarischen Györ). Bei der Privatisierung der ungarischen Versorgungsunternehmen haben sich die Deutsche Telekom, RWE und E.ON stark engagiert. Deutsche Investoren haben so Kapital, technisches und Managementwissen zur Umwandlung der ungarischen Wirtschaft zu einer modernen und im europäischen Binnenmarkt wettbewerbsfähigen Marktwirtschaft beigetragen. Viele Ungarn haben sich in den Stammwerken fortbilden können. Die Unternehmen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Austausch zwischen Deutschland und Ungarn.
Unterstützung durch die Bundesregierung und die Bundesländer
In Abstimmung mit der ungarischen Regierung konzentrierte sich die Unterstützung der Bundesregierung und der Bundesländer auf den Unternehmenssektor. Im Vordergrund standen die Privatisierungsberatung und die Stärkung der Wettbewerbs- und Kooperationsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen. Wichtige Maßnahmen waren Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen von Kammerpartnerschaften und Traineeprogramme.
Aus den Mitteln des Transform-Programms zur Beratung Mittel- und Osteuropas beim Aufbau von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft (Ende 2001 lief das Projekt für Ungarn aus) und im Rahmen anderer Programme hat Deutschland seit der Wende 1989/90 über 300 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 258 Mio. EUR gefördert.
Deutschland und Ungarn verbinden enge und kooperative Beziehungen im Bereich Kultur und Bildung. Das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Institut für Auslandsbeziehungen und der Pädagogische Austauschdienst engagieren sich in der Zusammenarbeit mit Ungarn. Im Mittelpunkt stehen die Förderung der deutschen Sprache, kulturelle Veranstaltungen sowie der akademische und schulische Austausch von Lehrenden und Lernenden. Die deutsche Sprache liegt in Ungarn fast gleichauf mit Englisch. Unter dieser günstigen Voraussetzung halten sich jährlich einige Tausend Ungarn im Rahmen von Stipendien, Studienaufenthalten und Schulaustauschmaßnahmen in Deutschland auf. Mehrere Bundesländer (vor allem Baden-Württemberg und Bayern) und Kommunen pflegen besonders enge Beziehungen zu Ungarn und vergeben in diesem Rahmen auch Stipendien.
Höhepunkt des Kulturaustausches im Jahre 2004 war der Auftritt Deutschlands als Ehrengastland auf dem XI. Budapester Buchfestival Ende April. Eröffnet in Anwesenheit von Bundespräsident Rau bot das Buchfestival ein einzigartiges Forum des Austausches für zahlreiche Verlage und Autoren aus Deutschland. Das anspruchsvolle Rahmenprogramm, u.a. mit Günter Grass und Imre Kertész, lockte eine große Anzahl von Besuchern und rief ein enormes Medienecho hervor.
Die Deutsche Schule Budapest befindet sich in einem im Herbst 2001 bezogenen Schulgebäude, das sich architektonisch und technisch auf dem letzten Stand präsentiert. Im Dezember 2000 wurde mit Ungarn das Abkommen zur schulischen Zusammenarbeit geschlossen. Damit können deutsche Abteilungen an ungarischen Schulen eingerichtet werden, an denen auch die deutsche Hochschulreife erworben werden kann. Die erste Schule, die dies umsetzt, ist das Ungarndeutsche Bildungszentrum in Baja. Im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms arbeiten knapp 50 deutsche Lehrer an ungarischen Schulen.
Zahlreiche enge Kooperationen bestehen zwischen deutschen und ungarischen Universitäten, Fachhochschulen und Schulen. Eine besondere Perspektive bietet dabei die deutschsprachige Andrássy-Universität. Sie befindet sich im zweiten Studienjahr und soll als postgraduale Bildungseinrichtung bis zu 150 Spitzenkräfte pro Jahr aus den deutschsprachigen und mittelosteuropäischen Ländern ansprechen. Fachrichtungen sind Staats- und Rechtswissenschaften, Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften sowie Kulturwissenschaften. Bald soll auch eine neue Doktorandenschule die Möglichkeit zur Promotion geben. Wichtige Unterstützung für diese Universität kommt auch aus Deutschland.
Das Collegium Budapest, 1992 auf Initiative der Berliner Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter eröffnet, ist eine in Ungarn und ganz Europa sehr anerkannte Wissenschaftseinrichtung. 2000 wurde sie zu einem "Centre of Excellence" im Sinne des EU-Rahmenplans für Forschung und Entwicklung ernannt. Die Bundesregierung war lange der größte finanzielle Förderer des Collegiums.
Quelle - auswärtiges Amt